Individualfeedback
Warum Individualfeedback?
Welche Bereiche des Individualfeedbacks existieren?
Wie entwickelt sich die Feedback-Kultur an unserer Schule?
Warum Individual-Feedback?
Feedback ist ein Instrument zur individuellen Förderung der Professionalität (und
nicht zu verwechseln mit dem Begriff "Evaluation"). Die Durchführung und
Auswertung erfolgt eigenverantwortlich und jeder entscheidet autonom über
den Umgang mit den Ergebnissen. Ziel ist es, das persönliche Lernen zu
fördern, insoweit ist das Einholen von Feedback Ausdruck einer
professionellen Einstellung zum Lehrberuf. Einerseits kann Entwicklungspotenzial aufgedeckt
und andererseits lernwirksame Kompetenzen bewusst gemacht und verbessert werden. Nur Feedback
von außen kann blinde Flecken der Eigenwahrnehmung erhellen - ohne sind Änderungen (nahezu) nicht möglich.
Sich Feedback geben zu lassen, birgt daher stets eine Verbesserungsabsicht in
sich. Durch das Feedback soll dem Empfänger die Möglichkeit gegeben werden,
die Fremdsicht seines Verhaltens und seiner Leistung mit der
Eigenwahrnehmung zu vergleichen.
Die im Dezember 2007 durchgeführte Schulinspektion des Instituts für Qualitätsentwicklung (IQ) an den Beruflichen Schulen Gelnhausen
kam zu folgender Erkenntnis: "Die Selbsteinschätzung der befragten Lehrkräfte zum Qualitätsbereich Lehren und Lernen weicht in fast
allen Punkten deutlich von den durch die befragten Schülerinnen und Schüler
und die befragten Ausbilderinnen und Ausbilder gegebenen Einschätzungen ab." (IQ, Bericht zur Inspektion der BSG, S. 39, 02/2008)
Diese Beobachtung stellt allerdings keine Ausnahmeproblematik unserer Schule dar, wie Helmke (2003) zu berichten weiß:
"Wenn Angaben zum Unterricht aus unterschiedlichen Perspektiven … erhoben wurden, gab es in vielen Studien einen ähnlichen Trend:
Mit Ausnahmen der Lehrerangaben konvergierten die Daten aus den anderen Perspektiven hoch miteinander, d.h. die Lehrerangaben
hingen mit allen anderen inhaltlich korrespondierenden Datenquellen kaum zusammen."
Ein deutlicher Fingerzeig dafür, die Betroffenenperspektive in die eigene Reflexion einzuarbeiten bzw. damit abzugleichen.
Nur so können blinde Flecken in der Eigenwahrnehmung und in der Selbstanalyse des eigenen Handelns aufgedeckt werden.
Mit dem Aufbau einer innerschulischen Feedbackkultur kann sich eine Kultur gegenseitiger unterrichtsbezogener Unterstützung
entwickeln, die den Erfahrungsschatz im Kollegium zum Vorteil aller nutzt.
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Welche Bereiche des Individualfeedbacks existieren?
Schülerfeedback
Dem systematischen Schülerfeedback liegt ein ganz bestimmtes Verständnis von Unterricht zugrunde: Unterricht ist ein gemeinsamer Arbeitsprozess
von Schülern/innen und Lehrern/innen. Weil Unterricht eine Wechselwirkung zwischen Angebot des Lehrers und der Nutzung des Schülers darstellt.
Während Schüler/innen beinahe täglich von Lehrerseite bewertet werden, sind umgekehrt die Gelegenheiten zum Feedback
deutlich seltener: Lehrer und Lehrerinnen erhalten von Schüler/innen, Eltern, Kolleg/innen oder Vorgesetzten nur sehr
sporadisch oder nur zu besonderen Anlässen in der Berufslaufbahn Rückmeldung über
ihr Tun. Meistens sind solche Rückmeldungen auch negativer Art, d.h. erst wenn ein
Problem sehr drängend geworden ist, wird eine Lehrperson damit konfrontiert. Gelobt
werden Lehrer und Lehrerinnen in der Praxis ebenfalls relativ selten. Beides reicht
meistens nicht aus, um die zuvor erwähnte und erwünschte Steuerungs- und
Verbesserungsfunktion auszufüllen.
Daher sollten sich Lehrerinnen und Lehrer verstärkt darum bemühen, sich vor allem von
den Schülerinnen und Schülern, mit denen sie tagtäglich gemeinsam an der Erreichung
der Bildungsziele arbeiten, Rückmeldung zu verschaffen. Dies kann durch
Einzelgespräche der Lehrperson mit Schüler/innen vor der Klasse oder auch alleine
geschehen, durch Diskussionen mit der gesamten Klasse oder durch systematische
schriftliche Rückmeldung (Individual-Feedback-Bogen). Letzteres hat den großen
Vorteil der Anonymität, das heißt, kein Schüler bzw. keine Schülerin muss befürchten,
dass eine eventuelle negative Kritik für ihn oder sie persönliche Konsequenzen
bedeutet. Dies führt zu ehrlicheren und offeneren Antworten. Die für alle gleiche Struktur
des Feedback-Bogens erlaubt es auch, Stärken und Schwächen der Lehrperson
systematischer zu identifizieren, als es durch „ereignis“-betonte Klassendiskussionen
möglich ist.
Kollegenfeedback
Das Lehrerdasein ist stark dadurch gekennzeichnet, dass Rückmeldungen über
die Wirksamkeit des Unterrichts hauptsächlich über die Leistungen der
Schülerinnen und Schüler erfolgen. Die Schulnoten sind allerdings in erster Linie
kein Indikator für die Qualität des Lehrens und Lernens, sondern geben eher
darüber Auskunft, wie die Schülerinnen und Schüler die ihnen gestellten
Aufgaben bewältigen, um die bestmögliche Note zu erhalten.
Für die Professionalisierung der
Lehrerinnen und Lehrer ist es daher wichtig, eine Kultur gegenseitiger
Unterstützung im Unterricht zu entwickeln. Die kollegiale Unterrichtsbeobachtung
ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung. Vor allem kann eine Lehrerin (oder ein Lehrer)
darauf zählen, dass sie von Kolleginnen und Kollegen, die die Situation an ihrer Schule und in
ihrer Klasse gut kennen, brauchbare Rückmeldungen bekommt. Sie kann in kollegialen Lernprozessen
herausfinden, welche Faktoren zu einem wirksamen Unterricht beitragen und welche hilfreich sind
für das Lernen der Schülerinnen und Schüler. Sie kann gemeinsam mit Kollegen Veränderungsmöglichkeiten
erkunden für Dinge, die unbefriedigend sind.
Im Konzept des 360°-Feedbacks sind ferner die Schul- bzw. Abteilungsleitung als Feedbackgeber "von oben" sowie die Betriebe
und Eltern als Schulpartner mit Blick von außen vorgesehen.
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Wie entwickelt sich die Feedback-Kultur an unserer Schule?
Schülerfeedback
- Januar 2006:
schulinterne Fortbildung zu Feedbackformen
- November 2006:
ca. 25% aller Lehrer/Innen führen eine Lernenden-Befragung durch
- Februar 2007:
Veröffentlichung eines umfangreichen Werkzeugkoffers mit
Befragungsinstrumenten und Leitfäden
- Ende 2008/2009:
erneute Befragung bzgl. des Feedbacks für Lernende - mehr als 70% unserer Lehrkräfte führen Feedback durch
- seit 2010: Eintragung der getätigten Feedbacks in ausgehängte Klassenlisten
- Zielsetzungbr> Feedback-Konzept in Absprache der Klassenkonferenz mit Koordinierung durch Klassenlehrer:
Vollzeitklassen geben mind. 2 Feedbacks pro Schuljahr
Teilzeitklassen geben mind. 1 Feedback pro Schuljahr
Kollegenfeedback
- November 2006:
Durchführung in vereinzelten Pilotgruppen
- Februar 2007:
Veröffentlichung mehrerer Beobachtungsbögen und eines Leitfadens
- August 2008:
Workshop zur Theorie des Kollegenfeedbacks und praktische Durchführung
- seit Februar 2009:
pro Halbjahr findet ein „Tag des Kollegenfeedbacks“ statt (Teilnahme freiwillig)
Eltern- und Betriebsfeedback
Diese beiden Feedbackformen finden derzeit noch individuell statt, ohne dass Vertiefungen bzw. Materialien dem Kollegium bereitgestellt wurden.
Insbesondere im Bereich der betrieblichen Lehrberufe wird ein mündlicher Austausch zwischen Lehrperson und Ausbilder gepflegt. In regelmäßigen Abständen
findet in einigen Berufsfeldern "Ausbildertreffen" statt. Befragungen in einigen Bereichen geschieht in größerem Umfang
mittels Evaluationen (siehe dort).
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